Notbremsassistent : Vollbremsung statt Unfall

Notbremsassistenten gehören zu den wichtigsten Sicherheitselementen im modernen Fahrzeug. Sie vermindern die Folgen eines Auffahrunfalls deutlich - verhindern können sie einen Aufprall aber nicht immer.

Das dritte mit "gut" beurteilte Fahrzeug, der VW Passat , kann zwar bereits in der aktuellen Version Zusammenstöße mit stehenden Hindernissen vermeiden, allerdings nur bei geringen Geschwindigkeiten. "Nicht überzeugen konnte im Test das Vorwarnsystem bei höherem Tempo. Die Warnungen wurden zu spät oder gar nicht gegeben", konstatiert der ÖAMTC-Experte.

Auffahrunfälle gehören zu den häufigsten Unfallszenarien im Straßenverkehr. Neben dem elektronischen Stabilitätsprogramm ESP sind daher Notbremsassistenten die wichtigsten aktiven Sicherheitselemente in modernen Fahrzeugen.

Der ÖAMTC hat in Zusammenarbeit mit seinen europäischen Partnerclubs sechs Autos der Mittel- und Oberklasse mit Notbremsassistent getestet. Dabei wurde nicht nur überprüft, wie stark die Systeme die Aufprallgeschwindigkeit auf stehende und sich bewegende Objekte reduzieren können, sondern auch, wann und wie effektiv der Fahrer vor einer Kollision gewarnt wird.

Besonders das Unfallvermeidungs- potenzial kann beim Testsieger Volvo V60 überzeugen. "Beim Volvo V60 baut nicht nur die autonome Bremsung kurz vor einer Kollision viel Aufprallenergie ab, bei niedrigen Stadtgeschwindigkeiten kann das City-Safety-System Auffahrunfälle sogar komplett vermeiden", zeigt sich der ÖAMTC-Experte Friedrich Eppel erfreut. Kollisionswarnungen erfolgen früh und effektiv, wenn es keine Reaktion durch den Fahrer gibt, wird eine autonome Notbremsung eingeleitet.

Auf den Plätzen zwei und drei folgen Mercedes CLS und Audi A7 , die gegenüber dem Volvo in Notsituationen noch mehr Geschwindigkeit abbauen, allerdings bei autonomen Bremsungen Kollisionen nicht gänzlich verhindern.

Das Notbremssystem im 5er BMW kann mit der Konkurrenz noch nicht ganz mithalten. Kollisionswarnungen erfolgen zwar immer sehr früh, sind jedoch nicht auffällig genug. "Reagiert der Fahrer nicht auf die Warnung, wird eine autonome Teilbremsung eingeleitet, jedoch ist der Geschwindigkeitsabbau geringer als bei den besten Systemen", erläutert Eppel. Weiterer Nachteil: Stehende Hindernisse werden überhaupt nicht erkannt.

Wie der BMW wurde auch der Infiniti M37S mit "befriedigend" beurteilt. Bei diesem Fahrzeug tragen uneffektive Kollisions-warnungen, geringer Geschwindigkeitsabbau bei autonomer Notbremsung und die fehlende Zielbrems- funktion negativ zum Ergebnis bei.

Wirklich innovativ ist allerdings das intelligente Gaspedal. "Dieses System baut bei zu starker Annäherung an den Vorausfahrenden Gegendruck auf, der den Lenker auf die drohende Gefahr vorbereitet. Eine gute Idee, der lediglich ein wenig Feinabstimmung fehlt", erklärt der ÖAMTC-Techniker.

Trotz der relativ deutlich auseinander gehenden Ergebnisse erhöhen alle Systeme die Sicherheit. Selbst eine geringe Abnahme der Kollisionsgeschwindigkeit mit Hilfe eines Assistenten ist erstrebenswert. "Sehr erfreulich ist auch, dass bei keinem Fahrzeug Fehlauslösungen bei den automatisch durch die Systeme ausgelösten Bremsungen festgestellt wurden. Auch die Anzahl der Fehlwarnungen war beschränkt", so der ÖAMTC-Experte.

Die Notbremsassistenten sollen eingreifen, bevor es zu einem Auffahrunfall kommt. Sie erkennen mittels Radarsensor, Kamera und/oder Laser vorausfahrende Fahrzeuge und warnen den Fahrer bei einer drohenden Kollision. "Reagiert dieser nicht auf die Warnung und ist ein Zusammenstoß unvermeidlich, leitet das System eine autonome Bremsung ein", erklärt der ÖAMTC-Experte. Dabei wird die Aufprallgeschwindigkeit reduziert oder der Unfall sogar ganz verhindert.

Nicht vergessen werden darf, dass die Systeme trotz modernster Technik nie einen aufmerksamen Fahrer ersetzen können - und einen ausreichenden Sicherheitsabstand.

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