Erotische Plakatwerbung verursacht Ablenkung beim Autofahren

Unachtsamkeit und Ablenkung rangieren auf Platz vier der Unfallursachen mit tödlichem Ausgang.

"Mit steigenden Temperaturen fallen offensichtlich auch bei den auf Werbeplakaten dargestellten Damen wieder vermehrt die Hüllen", stellt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger fest. "Fährt man in Ballungszentren die Hauptverkehrsrouten entlang, passiert man hunderte Werbeplakate , die um die Aufmerksamkeit der Konsumenten buhlen." In der wärmeren Jahreszeit soll, neben der klassischen Unterwäschewerbung , der erotische Aufputz augenscheinlich auch den Absatz so manch anderer Produkte steigern.

"Eine amerikanische Studie bestätigt, dass derart 'emotional aufwühlende' Bilder ablenken und für bis zu eine Sekunde 'gedanklich blind ' machen", erläutert die ÖAMTC-Expertin. Beim Autofahren werden rund 90 Prozent aller Informationen über die Augen aufgenommen. "Es ist daher naheliegend, dass Verkehrsteilnehmern durch so manches Plakat die für den Straßenverkehr nötige Aufmerksamkeit geraubt wird", meint Seidenberger. "Unfälle entstehen aber sehr oft dadurch, dass der Lenker von oder durch irgendetwas abgelenkt war." Unachtsamkeit und Ablenkung rangieren auf Platz vier der Unfallursachen bei tödlichen Unfällen im Straßenverkehr. Sie sind außerdem eine der Hauptursachen jener 800.000 Sachschaden-Unfälle, die sich pro Jahr in Österreich ereignen.

Insbesondere im Straßenverkehr werden Menschen von einem Überangebot an Information überflutet. "Normalerweise werden Informationen, die momentan nicht fahrrelevant sind, ausgeblendet, um eine Reizüberflutung zu verhindern" erklärt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin. "Ablenkende Reize, wie zum Beispiel erotische Bilder , können jedoch kurzfristig beim Lenker Fehler im Selektionsprozess verursachen." Verkehrsrelevante Informationen könnten, obwohl objektiv vorhanden, nicht rechtzeitig erkannt, verarbeitet oder umgesetzt werden.

Doch nicht jeder ist gleich anfällig für die " vorübergehende Blindheit ". "Welche Bilder  stärker bewusst wahrgenommen werden, hängt von der Reizstärke, der Neuheit und Seltenheit des Reizes, sowie von der betrachtenden Person ab", weiß die ÖAMTC-Expertin. "Besonders abgelenkt durch erotische oder aufwühlende Bilder werden laut der amerikanischen Studie eher sehr vorsichtige und ängstliche Personen ." Diese Personen versuchen jedem möglichen Schaden von vorne herein zu vermeiden und sind daher besonders anfällig für derartige Ablenkungen.

Die ÖAMTC-Verkehrspsychologin empfiehlt daher, sich in stressigen fordernden Situationen des Straßenverkehrs gezielt auf die Straße zu konzentrieren und jeglichen Ablenkungen bewusst zu widerstehen. Das gilt insbesondere für Fahranfänger. "Gerade neue oder besonders interessante Plakate sollte man als Fußgeher eingehend betrachten. Dann sind die Motive bekannt und die Ablenkung beim Autofahren bei weitem nicht mehr so groß", sagt Seidenberger. Aber auch Außenwerbefirmen könnten zur Verkehrssicherheit beitragen, indem sie an sensiblen und neuralgischen Straßenabschnitten auf das Anbringen allzu ablenkender Werbung verzichten.

Quelle: ÖAMTC

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