Radfahren in Wien : Jeder 2. missachtet rote Ampel

Der ÖAMTC hat die häufigsten Sünder der Radfahrer erhoben

Radfahrer haben mit rund sechs Prozent einen maßgeblichen Anteil am Wiener Verkehrsaufkommen. "Damit hat sich der Radfahreranteil in den vergangenen drei Jahren um 50 Prozent gesteigert", sagt ÖAMTC-Verkehrstechniker Roman Michalek. Mit dieser positiven Entwicklung steigt allerdings auch die Zahl der Unfälle und Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern. In den Jahren 2000-2004 wurden in Wien rund 3.000 Radler-Unfälle registriert, bei denen 12 Radfahrer getötet worden sind. Außerdem wurden dabei 263 Fußgänger zum Teil schwer verletzt. Um Potenziale zu ermitteln, wie die Verkehrssicherheit erhöht und Konflikte zwischen Radfahrern und anderen Verkehrsteilnehmern reduziert werden können, hat der Club die häufigsten "Verhaltenssünden" von Fahrradfahrern erhoben.

An ausgewählten Messstellen missachten 56 Prozent der Radfahrer rote Ampeln . Dieses gefährliche Verhalten ist weder alters- und geschlechtsspezifisch. "'Rotfahrer' ärgern, gefährden und beschädigen das Image der Radfahrer", sagt Michalek. "Das abrupte Queren von Fahrbahnen ist die Hauptursache für schwerste Unfälle mit Radler-Beteiligung." Vor allem Jugendliche haben eine sehr hohe Risikobereitschaft. Gleich 77 Prozent der 16- bis 25-Jährigen sehen keinen Grund bei Rot zu stoppen. Ebenfalls sehr undiszipliniert zeigen sich "Männer in Anzügen" und "Freizeitfahrer im Sportdress". Im Schnitt brausen über 60 Prozent der "Vertreter" dieser beiden Gruppen bei Rot über die Straße. Die erfreuliche Ausnahme sind Eltern mit Kindern. Sie warten nahezu alle ab, bis die Ampel wieder freie Fahrt signalisiert.

Vor allem die Fußgänger fühlen sich gefährdet, wenn Radfahrer neue Geschwindigkeitsrekorde aufstellen. Die auf Radweg-Überfahrten erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 10 km/h ist anscheinend vielen unbekannt. Die ÖAMTC-Erhebung zeigt Spitzengeschwindigkeiten von 40 km/h, zum Beispiel in der Argentinierstraße. Auch am Messpunkt in der Margarethenstraße erreichten einige Radler über 30 km/h. "Durchschnittsgeschwindigkeiten von 20 km/h und mehr sind keine Seltenheit", sagt der ÖAMTC-Experte. Eine hohe Geschwindigkeit gepaart mit der geräuscharmen Annäherung auf schmalen Rad/Schutzwegen oder Gehsteigen sind typische Umstände von schweren Radler-Unfällen mit Fußgängern.

Weitere bekannte "Radlersünden" , die immer wieder zu Konflikten mit Autofahrern oder Fußgängern führen:

  • Mangelnde Handsignale beim Abbiegen und Einordnen auf die Fahrbahn
  • Radfahren gegen die Einbahn
  • Radfahren auf Gehsteigen
  • Fahren ohne Licht bei schlechten Sichtverhältnissen und in der Nacht

"Die Erhebung zeigt einige gravierende Missstände mit erheblichem Unfallpotenzial", resümiert Michalek. "Aufmerksamer und rücksichtsvoller werden - das gilt für Radfahrer genauso wie für Autofahrer und Fußgänger." Der Club wird weiter über Regeln und Risiken beim Radfahren aufklären und fordert außerdem eine verstärkte Kontrolle an Ampeln und Radweg-Überfahrten zur Entschärfung von Unfallpunkten. Eine "Kennzeichenpflicht" für Fahrräder nach Schweizer Vorbild ist für den Club-Experten zur Zeit keine Alternative, weil eine zusätzliche Bürokratisierung zu befürchten ist. Übrigens: Zwischen 17 und 18 Uhr sollte man besonders vorausschauend radeln. In dieser Zeit ist laut ÖAMTC-Erhebung das Radfahren in Wien am gefährlichsten.

Quelle: ÖAMTC

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