Tipps für richtiges und sicheres Überholen

Fehleinschätzungen bei Überholmanövern haben oft fatale Folgen

Im vergangenen Jahr passierten 3.232 Unfälle im Begegnungsverkehr . Bei diesen Unfällen wurden insgesamt 5.451 Personen verletzt, 182 Menschen starben. Obwohl Unfälle im Begegnungsverkehr nur 7,9 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden ausmachen, waren dabei im Vorjahr mehr als ein Viertel (26,3 Prozent) aller Verkehrstoten zu beklagen. Unfälle im Begegnungsverkehr, z.B. infolge eines missglückten Überholmanövers , haben meist besonders schwerwiegende Folgen. "Überholen" ist laut Unfallstatistik die dritthäufigste Ursache bei Unfällen mit tödlichem Ausgang (73 tödliche Unfälle 2007). "Die Missachtung von Überholverboten , Überholen an unübersichtlichen Stellen und bei schlechter Sicht , gefährliche und riskante Überholmanöver infolge massiver Fehleinschätzungen, durch mangelnde Erfahrung oder einfach aus Zeitdruck und Ungeduld enden nicht selten im tödlichen Frontalcrash ", warnt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Dora Donosa.

Überholen ist ein komplexer Vorgang und stellt hohe Anforderungen an den Fahrer . Die Straßen- und Sichtverhältnisse müssen gut, die Sichtstrecke ausreichend, die Geschwindigkeitsdifferenz möglichst groß und das Beschleunigungsverhalten des eigenen Fahrzeugs bekannt sein. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit darf dabei nicht überschritten werden. Auf ausreichenden Seitenabstand muss - vor allem bei Einspurigen - geachtet werden. Plötzliche Beeinträchtigungen der Sicht durch Blendung oder Licht-Schatten-Wechsel müssen auszuschließen sein, einmündende Straßen und Wege berücksichtigt werden. "Das kann vor allem bei fehlender Streckenkenntnis ein Problem sein", sagt die ÖAMTC-Expertin.

Die Entscheidung zu überholen sollte nur dann fallen, wenn überholen gefahrlos möglich ist . Fehleinschätzungen können fatale Folgen haben. Oft wird die erforderliche Länge der Überholstrecke unterschätzt. Möchte ein Autofahrer mit 100 km/h ein mit 80 km/h fahrendes Fahrzeug überholen, braucht er dazu eine Überholstrecke von 250 Metern. Besonders im Kolonnenverkehr sollte man einen kühlen Kopf bewahren . "Auch wenn man als erster direkt hinter einem langsam fahrenden Fahrzeug 'herzuckelt' und einem die Autoschlange dahinter im Nacken sitzt, darf man erst dann überholen, wenn das wirklich gefahrlos möglich ist", betont Donosa. Wer die Nerven verliert und einfach aus der Kolonne ausbricht, gefährdet sich und andere, denn ein rasches Wiedereinordnen bei Gegenverkehr ist dann kaum möglich, ohne andere zu schneiden oder zu behindern. In einer Kolonne Nerven und Geduld zu bewahren ist daher oberstes Gebot. "Im Zweifel ist es besser, nicht zu überholen", sagt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin.

Die ÖAMTC-Expertin gibt Tipps für sichere Überholmanöver:
Nicht überholt werden darf bei Überholverboten, an unübersichtlichen Stellen, bei schlechter Sicht sowie auf und unmittelbar vor Schutzwegen und Radfahrüberfahrten. Achtung: An Schulbussen mit Schulbus-Warntafel und eingeschalteter Warnblinkanlage sowie eingeschalteten gelbroten Leuchten darf nicht vorbeigefahren werden.

  • Überholabsicht rechtzeitig durch Blinken anzeigen.
  • Folgeverkehr beachten. Hat dahinter schon jemand zum Überholen angesetzt?
  • Die Länge des Fahrzeugs, das man überholen möchte, muss abschätzbar sein. Beim Überholen eines Lkw muss man sich vergewissern, was sich vor dem Lkw befindet.
  • Ist man selbst der Langsame, dem nachfolgenden Verkehr an geeigneter Stelle das Überholen ermöglichen oder von Zeit zu Zeit anhalten und die Kolonne passieren lassen.
  • Wird man selbst überholt, niemals die Fahrgeschwindigkeit erhöhen.
  • Kommt einem ein "Überholer" entgegen, sollte man die Geschwindigkeit reduzieren bzw. notfalls abbremsen und die Lichthupe betätigen.

Quelle: ÖAMTC

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