Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung ist Alltag

Autofahrer kennen die Gefahr der Ablenkung und bagatellisieren sie.

Das Handy zwischen Schulter und Wange eingeklemmt , die linke Hand am Lenkrad, die rechte am Schaltknüppel - ein Klischee? Seit 1. Juli 1999 wird das Telefonieren am Steuer mit einem Mobiltelefon ohne Freisprechanlage während des Autofahrens sanktioniert . Wer erwischt wird, zahlt heute 50 Euro Strafe. Anlässlich des Jubiläums hat der ÖAMTC eine Erhebung unter mehr als 4.000 Autofahrern durchgeführt. Ziel war es, zu überprüfen, wie viele Fahrer sich an das Verbot halten und welche Faktoren das Verhalten beeinflussen können. Fazit: " Knapp 220 der 4.000 beobachteten Fahrer telefonierten mit Handy am Ohr ohne Freisprecheinrichtung ", berichtet ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Das entspricht über fünf Prozent . Die Mehrheit dieser Telefonierer war männlich (63 Prozent). Beobachtet wurden vorbeifahrende Lenker, jeweils eine Stunde an zehn ausgesuchten Stellen, in Wien und Niederösterreich, in den Morgen- bzw. frühen Nachmittagsstunden, bei Regen und Sonne. Aus der ÖAMTC-Erhebung ergibt sich folgendes Bild: Das Auto mutiert zur fahrenden Telefonzelle, Ablenkung führt zu Unfällen
 
Die Hauptunfallursachen sind Unachtsamkeit und Ablenkung und haben im Vorjahr 80 Österreichern im Straßenverkehr das Leben gekostet. "Das sind die offiziellen Zahlen des Bundesministeriums für Inneres, die Dunkelziffer ist jedoch viel höher", betont die ÖAMTC-Expertin. Auch Handys stellen eine erhebliche Ablenkung dar. Nichtsdestotrotz steigt die Zahl derer, die im Auto ohne Freisprecheinrichtung telefonieren, stetig an . Vergangenes Jahr haben etwa 116.000 Österreicher ein Organmandat oder eine Anzeige für Telefonieren ohne Freisprechanlage im Auto kassiert. Im Jahr 2007 waren es ca. 95.000, im Jahr zuvor noch rund 86.000 "Handy-am-Ohr"-Telefonierer. Nicht betroffen vom sogenannten "Handyverbot" sind Fußgänger und Radfahrer. Radfahrer können jedoch sehr wohl belangt werden, wenn sie aufgrund der Ablenkung durch das Telefonieren einen Fahrfehler begehen.
 
Autofahrer sehen der Gefahr telefonierend ins Auge
 
Eine ÖAMTC-Blitzumfrage im vergangenen Jahr unter 552 Personen gibt Aufschluss über deren Einstellung zu Ablenkungen und Unachtsamkeit im Straßenverkehr. "Telefonieren mit dem Handy während der Fahrt" wurde spontan als häufigster Grund zur Ablenkung genannt. Rund ein Viertel der Befragten gaben an, das Handy fast immer während der Fahrt zu nutzen (telefonieren und SMS). 11 Prozent gestanden, deshalb schon in brenzlige Situationen geraten zu sein. Nur 55 Prozent der Vielfahrer verwenden eine Freisprechanlage . Bei denen, die das Auto mehrmals pro Woche nützen, sind es sogar nur 49 Prozent. "Es ist die Tendenz zu beobachten: Je seltener Menschen mit dem Auto fahren, desto seltener verwenden sie eine Freisprechanlage", zeigt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin auf.
 
Plaudertaschen fahren schlechter - Tipps fürs Telefonieren im Auto In Richtung EU-Kommission und Autoindustrie schickt die ÖAMTC-Expertin den dringenden Appell, hochqualitative Freisprechanlagen serienmäßig in alle Autos einzubauen , vom Kleinwagen bis zur Luxuslimousine. Sie sollen für alle gängigen Handymarken kompatibel sein und nicht innerhalb einer kurzen Zeit veralten. "Ein Stöpsel im Ohr und ein Schnürl am Hals des Fahrers mit einem Mikrofon daran kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Schließlich gilt es, die Gefahrenpotenziale auf der Straße auf ein Minimum zu reduzieren", sagt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin abschließend.

  • Bei Autobahn Ein- und Ausfahrten gab es über sieben Prozent "Handy-am-Ohr"-Fahrer , hier waren 41 Prozent davon Frauen. "Reizärmere Verkehrsflächen mit wenigen Ampeln, Zebrastreifen oder Fußgängern regen augenscheinlich mehr zum Telefonieren an", erklärt die ÖAMTC-Expertin.
  • An stark frequentierten Schulwegen , mit forderndem Verkehrsumfeld (Zebrastreifen, Schülerlotse, viele Kurzanhalter, die ihre Kinder aussteigen lassen) und Regenwetter reduzierten Lenker nur in geringem Ausmaß ihre Handybenützung im Auto. " Über vier Prozent der Fahrer hatten das Handy am Ohr, trotz vieler Kinder auf der Straße", bemerkt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin.
  • Stresszonen Gürtel oder innere Stadt : Zehn Prozent telefonierten trotz Engstellen und hektischen Verkehrsgeschehens ohne Freisprecheinrichtung. Das ist im Verhältnis zum Gesamtergebnis der Spitzenwert der ÖAMTC-Momenterhebung
  • Eine schlechte Wettersituation wirkt sich nicht nennenswert auf das Telefonierverhalten im Auto aus.
  • Für Telefonate den Fließverkehr verlassen, am besten einen Parkplatz anfahren.
  • Ankommende Anrufe nicht annehmen , sondern auf die Mobilbox umleiten. Auch Telefonieren mit der Freisprecheinrichtung lenkt vom Verkehrsgeschehen ab.
  • Wichtige Geschäftstelefonate während der Autofahrt besser unterlassen . Sie dauern länger, weil man öfter wiederholen oder nachfragen muss. Verteuernde Nachfolgetelefonate werden öfters nötig, weil man nicht alles richtig erfasst hat. Da die Konzentration auf zwei Tätigkeiten geteilt wird, kommt es leichter zu Fehlern in der Schaltzentrale Gehirn. "Man hat gleichzeitig zwei Bilder im Kopf: ein reales Bild von der Fahrt und das vom Telefonat", sagt die ÖAMTC- Verkehrspsychologin.
  • Verantwortungsbewusst mit Telefonaten während der Fahrt umgehen - riskante Fahrsituationen können rasch entstehen. "Man sollte überlegen, ob man immer und allerorts für jeden erreichbar sein muss", empfiehlt Seidenberger.

Quelle: ÖAMTC

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