Toter Winkel als Gefahr : Warnsysteme im Test

Gut" für die Systeme von Audi, VW, "Befriedigend" für Mercedes, "Ausreichend" für Volvo

Unfallgefahr beim Fahrbahnwechsel : Ein Blick in den Rück- und in den Seitenspiegel, ein Blick aus dem Seitenfenster, Blinker raus - und trotzdem übersieht man das Auto auf der Nebenfahrbahn im toten Winkel . Zur Vorbeugung vor solchen Unfällen statten immer mehr Fahrzeughersteller ihre Autos mit Spurwechsel- bzw. Totwinkelassistenten aus. Der ÖAMTC hat jetzt erstmals vier bereits verfügbare Seriensysteme getestet. Fazit von ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang: "Alle geprüften Systeme sind relativ zuverlässig, haben alle ihre Vor- und Nachteile und auf jeden Fall großes Verbesserungspotenzial ."

Getestet wurden : Audi Side Assist, verfügbar für A4, A5, A8, Q7, Mercedes Totwinkel-Assistent verfügbar für CL, Volvo BLIS (Blind Spot Information System) verfügbar für C30, S40, V50, S60, S80, V70, XC70 und XC90 und der VW Spurwechselassistent Side Assist, verfügbar für Phaeton und Touareg. Untersucht wurden die Bedienung der Systeme, die Art der Warnung und die Tauglichkeit in verschiedenen Verkehrssituationen.

"Side Assist"-System im Audi - Gesamtnote "Gut":

Das "Side Assist"-System im Audi arbeitet mit weitgehend wetterunabhängiger Radartechnik über Sensoren. Es erkennt Fahrzeuge in der Nebenspur nicht nur im toten Winkel, sondern bereits bis zu 50 Meter hinter dem eigenen Pkw. Betätigt man den Blinker und setzt zum Überholen an, während sich ein Fahrzeug im Gefahrenbereich befindet, wird aus dem schwach leuchtenden Informationssignal in den Seitenspiegeln ein stark aufblitzendes Warnsignal . Schwäche: Es gibt beim "Side Assist" kein akustisches Warnsignal . Weitere Nachteile: Das System schlägt erst bei einer Mindestgeschwindigkeit von 60 km/h an und die Funktion setzt bereits in mittleren Kurven aus. Angenehm ist die Aktivierung mittels Tasten in der Mittelkonsole.

"Side Assist" im VW Touareg - Gesamtnote "Gut"

Der Spurwechselassistent "Side Assist" im VW Touareg ist praktisch baugleich mit dem System im Audi. Ein Vorteil sind die größeren LED's in den Seitenspiegeln , die etwas besser zu erkennen sind. Der Nachteil ist, dass das System nicht extra per Knopfdruck zu bedienen ist, sondern über das Lenkradmenü (Bordcomputer).

"Totwinkel-Assistent" im Mercedes - Gesamtnote: ein gutes "Befriedigend":

Das System arbeitet ebenfalls mit zuverlässiger Radartechnik , allerdings werden andere Fahrzeuge erst in einem Abstand von etwa drei Meter hinter dem eigenen Pkw erkannt. Die Warnung erfolgt nur unmittelbar vor dem Eintreten in den toten Winkel oder sogar später. Positive Eigenschaften: Betätigt man den Blinker, wird man im Falle des Falles akustisch und mittels Tonsignal vor einer etwaigen Gefahr gewarnt . Der Assistent arbeitet auch in engeren Kurven und reagiert bereits bei einer Mindestgeschwindigkeit von 30 km/h. Der ÖAMTC-Techniker erklärt: "Das System ist somit besonders bei Fahrten mit mäßiger Geschwindigkeit geeignet , beispielsweise in der Stadt oder im Kolonnenverkehr." Die Bedienung des Systems erfolgt über das Lenkrad-Menü.

"BLIS" im Volvo - Gesamtnote: "Ausreichend"

Das "Blind Spot Information System", kurz "BLIS" von Volvo arbeitet via Kameras links und rechts im Gehäuse der Außenspiegel . Damit ist das System witterungsabhängig und es kann zu Problemen bei tief stehender Sonne sowie starkem Regen, Nebel und Schneefall kommen. Bei nicht regelmäßiger Reinigung der Linsen kann das System ausfallen. "BLIS" ist von seiner Funktionsweise her ein Totwinkelassistent, das heißt: Objekte werden bis knapp zehn Meter hinter dem Fahrzeug erfasst . Ein weiterer Nachteil: Das System macht keinen Unterschied zwischen Information und Warnung. Sobald ein Objekt erkannt wird, leuchtet die orangefarbene Warnleuchte auf. Betätigt man den Blinker, erfolgt keine zusätzliche Warnung. "Ein großer Vorteil des getesteten Spurwechsel-Assistenten bei Volvo ist, dass er andere Fahrzeuge bereits bei einer Geschwindigkeit von 10 km/h erkennt, wie zum Beispiel Fahrradfahrer beim Rechtsabbiegen," so der ÖAMTC-Cheftechniker.

Für die weitere Entwicklung von Spurwechsel- bzw. Totwinkelassistenten nennt der ÖAMTC folgende Ziele:

Die Sensorik soll möglichst weit nach hinten "sehen" können, um auch Fahrzeuge zu erkennen, die sich mit hoher Geschwindigkeit nähern. Wünschenswert ist weiter, dass ein Assistent möglichst bereits ab niedrigen Geschwindigkeiten zur Verfügung steht. Zur optischen Warnung sollte auf jeden Fall ein akustisches Signal hinzukommen, damit die Gefahrensituation leichter erfasst wird. Die Systeme sollten sich leicht aktivieren lassen - am besten mit Hilfe eines Schalters im direkten Sichtbereich - und beim Start automatisch aktiv sein, unabhängig von der Einstellung bei der letzten Fahrt. "Das Gerät soll eine Hilfe und keine Ablenkung für den Autofahrer sein ," so Lang abschließend.

Quelle: ÖAMTC

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