Verkehrsregeln bleiben im Ausland oft unbeachtet

Erlebnisse mit den Gepflogenheiten auf Europas Straßen

Rot heißt Stopp

und auf Seitenstreifen fährt man nur im Pannenfall. "Du sollst dich nicht täuschen", lautet da wohl die wichtigste Regel für Autofahrer, die sich auf Europas Straßen wagen. Nicht alles, was ÖAMTC-Chefjurist Hugo Haupfleisch an Reiseeindrücken gesammelt hat, findet sich auch in den Gesetzbüchern der jeweiligen Länder niedergeschrieben. "Prinzipiell gilt bei jeder Fahrt auf unbekannten Straßen besondere Vorsicht ", so der ÖAMTC-Chefjurist.

Vor allem in südlichen Gefilden herrscht an Kreuzungen oft ein "Gewohnheitsrecht ". In Italien werden rote Ampeln sowohl von vielen Fußgängern als auch Autofahrern gerne ignoriert . "Das war bisher eher Usus in Rom und den südlichsten Regionen. Mittlerweile rennt man aber auch schon in norditalienischen Städten fast um sein Leben, wenn man sich als Fußgänger auf eine grüne Ampel verlässt", so der ÖAMTC-Chefjurist. Und auch meist helmlose Mopedfahrer negieren in der Regel jegliche Verkehrsvorschriften, was oft zu gefährlichen Situationen führt. Ein beklemmendes Gefühl haben viele Reisende bei Fahrten durch die schlecht beleuchteten italienischen Tunnel. Und auch Drängeln auf der Autobahn gehört bei unseren südlichen Nachbarn zum guten Ton.

In Spanien bremst man mit besonderen " Schikane-Ampeln " im Ortsgebiet den Verkehr ein. Wer sich bei Einfahrt in eine spanische Stadt nicht genau an Tempo 50 hält, muss damit rechnen, dass oft eine circa 100 Meter nach der Ortseinfahrt montierte Ampel automatisch Rot zeigt. Achtung heißt es auch beim Rechts- oder Linkseinbiegen auf großen Straßenkreuzungen. Fußgängerübergänge befinden sich oft erst 20 bis 30 Meter nach der Kreuzung und haben eine von der Hauptampel getrennte Schaltung, die für den Einbiegenden Rot zeigt.

Auch in Frankreich kann das Abbiegen an Kreuzungen zu Verwirrung und unfallträchtigen Situationen führen. "Das Rechtsabbiegen bei Rot an ampelgeregelten Kreuzungen ist dann zulässig, wenn ein grüner Pfeil aus Metall oder Plastik an der Verkehrsampel angebracht ist , und der Querverkehr nicht behindert wird", erklärt der ÖAMTC-Chefjurist.

In Griechenland ist die Art der Straßenführung nicht immer ganz einsichtig. Überlandstraßen sind häufig zweispurig und mit einem zwei bis drei Meter breiten Seitenstreifen ausgestattet. Für die Griechen ist es selbstverständlich auf diesen Streifen auszuweichen , wenn schnellere Fahrzeuge - oft trotz doppelter Sperrlinie - zum Überholen ansetzen. Häufig weichen auch entgegenkommende Fahrzeuge auf den Seitenstreifen aus, damit der Überholende gefahrlos sein Manöver durchführen kann. "Als Urlauber sollte man sich auf das 'entgegenkommende Ausweichen' aber keinesfalls verlassen", warnt der ÖAMTC-Experte. Die gleichartige Benützung des Seitenstreifens als "Mehrzweckstreifen" ist zum Beispiel auch in Schweden zu beobachten.

Bei unseren östlichen Nachbarn in Polen gibt es besondere "Ortstafelregeln". Grüne Tafeln mit dem Ortsnamen dienen nur der Information über die Gemeinde. Erst eine weiße Tafel , die die Silhouette einer Stadt zeigt, signalisiert den Beginn des Ortsgebietes und damit der Tempo-50-Beschränkung . Diese speziellen Tafeln befinden sich manchmal erst einige Kilometer nach der "Ankündigung" des Ortes. Dasselbe gilt auch für die Aufhebung der Geschwindigkeitsbeschränkung . "Nur bei größeren Städten sind meist beide Tafeln am gleichen Verkehrszeichenständer angebracht", erklärt Haupfleisch. Die Bezeichnung " Schutzwege " haben ebendiese in Polen oft nicht verdient. "Beim Herannahen eines Autos wagen es nur besonders Mutige den Fußgängerübergang zu betreten", so der Club-Jurist. "Besonders rücksichtslos im Fahrstil sind oft Lenker städtischer Busse."

Beim Parken in Tschechien heißt es Vorsicht . In größeren Städten sind häufig Parkscheinautomaten aufgestellt. Zum Teil besteht Gebührenpflicht bei Tag und Nacht. "Bei Verstößen gegen die Gebührenpflicht werden die Räder rigoros mit Radklammern blockiert ", so Haupfleisch. Meist informiert ein mehrsprachiger Zettel auf der Scheibe, bei welcher Polizeidienststelle die Blockierung gegen Bezahlung einer "geschmalzenen" Strafe aufgehoben wird.

"Wie eine überalterte Verkehrsordnung wie in Österreich die überaus wichtige Kommunikation im Straßenverkehr behindert, zeigt ein Blick über die Grenzen", so der ÖAMTC-Chefjurist abschließend. "Häufig beobachtet in Südafrika , gesehen aber auch schon in Osteuropa: Einem rücksichtsvoll ausweichenden Kraftfahrer wird der Dank durch ein kurzes Betätigen der Warnblinkanlage ausgedrückt, was dieser mit dem Antippen der Lichthupe quittiert."

Quelle: ÖAMTC

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