Tödliche Verkehrsunfälle : Alkohol ist häufige Ursache

Untersuchung von Gerichtsakten zeigt, dass der Anteil auf jeden Fall um das Doppelte höher ist

Seit 1998 gilt in Österreich die 0,5-Promille-Grenze . Aus ethischen und medizinischen Gründen wird bei tödlichen Alleinunfällen - bei denen also außer dem Unfalllenker niemand zu Schaden gekommen ist - keine Blutuntersuchung auf Alkohol durchgeführt. Das tatsächliche Ausmaß der Problematik " Alkohol am Steuer " war bisher also nicht bekannt, es war aber immer klar, dass die Zahlen der Unfallstatistik nur einen Teilausschnitt repräsentieren.

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) hat nun im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie die Gerichtsakten von insgesamt 1.059 Unfällen mit Getöteten der Jahre 2002 bis 2004 genauer analysiert. Den Gerichtsakten war zu entnehmen, dass bei fast einem Fünftel (17,9 %) der anhängigen Verfahren zumindest ein Fahrzeuglenker bzw. Fußgänger in einer Weise in seiner Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt war, die zu einem Unfall mit tödlichem Ausgang führte.

Den weitaus größten Anteil bildeten dabei Fahrten unter Alkoholeinfluss - sie stellten bei neun Prozent der untersuchten tödlichen Verkehrsunfälle die Hauptunfallursache dar. Berücksichtigt man auch jene Unfälle, bei denen der Lenker alkoholisiert war, letztendlich aber ein anderer Umstand zum Verkehrsunfall geführt hat (z.B. Schleudern), steigt die Zahl der tödlichen Alkohol-Unfälle auf beinahe 12 Prozent . Die Analysen des Bundesministeriums für Inneres gingen bisher immer von einem Anteil zwischen sechs und sieben Prozent aus. "Damit haben wir die große dunkle Ecke bei Alkoholunfällen ein wenig stärker ausgeleuchtet , internationale Erfahrungswerte gehen aber von Anteilen bis zu 30 Prozent aus", sagt Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV).

Zum Vergleich: Laut Innenministerium werden in Österreich im Rahmen von Alkoholkontrollen rund 20 Prozent der Fahrzeuglenker angezeigt , weil sie mehr als 0,5 Promille Alkohol im Blut hatten.

Laut Gerichtsakten lag der mittlere Alkoholisierungsgrad bei Pkw-Lenkern, die einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht haben, bei 0,57 Promille. "Das bestätigt unsere Forderung, dass auch für Alkoholisierungsgrade zwischen 0,5 und 0,8 Promille Präventivmaßnahmen gesetzt werden müssen, bevor es zu schweren Unfällen kommt", fordert Thann. "Lenker, die bei Kontrollen mit einem Alkoholisierungsgrad zwischen 0,5 und 0,8 Promille erwischt werden, sollten deshalb ein Verkehrscoaching absolvieren - also in geeigneter Form auf die Risiken hingewiesen werden, bevor etwas Schlimmeres passiert." Derzeit erhalten Lenker, die mit 0,5 bis 0,79 Promille am Steuer erwischt werden, nur eine Vormerkung . Eine entsprechende Maßnahme erfolgt erst, wenn ein zweites Vormerkdelikt begangen wurde.

Quelle: KfV

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